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Immoraum Redakteur2026-04-20 11:07:072026-04-20 11:26:26Markteinblick: Einzelhandel Stuttgart Q1 2026: Spitzenmiete stabil, Flächenumsatz im KonsolidierungsmodusEinzelhandel Stuttgart Q1 2026
Die Eckdaten für Stuttgart im Überblick
Im ersten Quartal 2026 liegt der Flächenumsatz im Stuttgarter Einzelhandel bei 4.100 m² – ein Minus von 25 Prozent gegenüber Q1 2025. Die Spitzenmiete bleibt stabil bei 250 Euro/m²/Monat und liegt damit gleichauf mit Hamburg. Damit hat Stuttgart das vierte Jahr in Folge ein konstantes Mietniveau in den 1A-Lagen – ein Indikator für die ungebrochene Attraktivität der Top-Adressen rund um Königstraße, Schlossplatz und Calwer Straße.
Die Diskrepanz zwischen stabiler Miete und rückläufigem Umsatz ist der Kernbefund dieses Quartals. Sie zeigt: Händler mieten weniger, aber wer mietet, tut es in den besten Lagen und zu unverändertem Preisniveau. Nachlaufeffekte aus der Marktbereinigung der vergangenen Jahre sind damit weitgehend abgearbeitet.
Stuttgart im Städtevergleich: Mittelfeld mit Substanz
Bundesweit bleibt München mit 340 Euro/m²/Monat der teuerste Einzelhandelsstandort. Dahinter hat sich die Rangfolge verschoben: Düsseldorf steigt von 270 auf 290 Euro (plus 7,4 Prozent) und verdrängt Berlin (280 Euro, minus 3,4 Prozent) von Rang zwei. Frankfurt am Main liegt mit ebenfalls 280 Euro gleichauf mit Berlin.
Stuttgart und Hamburg folgen auf Rang fünf mit jeweils 250 Euro, vor Köln (225 Euro), Hannover (170 Euro), Leipzig (110 Euro) und Nürnberg (110 Euro, minus 15,4 Prozent). Für Stuttgart ist die Stabilität in diesem Umfeld bemerkenswert: Während andere Märkte volatil werden, hält die Landeshauptstadt ihr Preisniveau ohne Anpassungsdruck.
Beim Flächenumsatz zeigt sich ein gemischtes Bild. Berlin führt mit 23.700 m² (plus 91 Prozent zum Vorjahr), Düsseldorf folgt mit 7.500 m² (plus 47 Prozent), Hannover komplettiert das Spitzentrio mit 4.700 m² (plus 62 Prozent). Stuttgart liegt mit seinen 4.100 m² knapp dahinter – vor München (3.800 m², minus 41 Prozent), Hamburg (3.200 m², minus 70 Prozent) und Frankfurt (1.900 m², minus 78 Prozent). Im Vergleich zu den anderen westdeutschen Metropolen ist der Stuttgarter Rückgang damit moderat.
Was der rückläufige Umsatz wirklich aussagt
Der Flächenumsatz-Rückgang sollte nicht als Schwächezeichen des Stuttgarter Marktes gelesen werden. Drei Faktoren sind entscheidend für die Einordnung:
Erstens liegt der bundesweite Flächenumsatz mit 103.100 m² rund zehn Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Stuttgart bewegt sich damit innerhalb einer breiten Marktkorrektur, nicht in einer standortspezifischen Schwächephase.
Zweitens stieg der Anteil der Deals in den zehn Top-Metropolen auf 49 Prozent – den höchsten Wert seit dem dritten Quartal 2023. Strategische Anmietungen konzentrieren sich also zunehmend auf die A-Städte, und Stuttgart gehört zu diesem Kreis.
Drittens erreichte der Anteil internationaler Konzepte mit 56 Prozent ebenfalls einen Spitzenwert. Für Stuttgart als wirtschaftsstarker Standort mit hoher Kaufkraft bedeutet das: Die Nachfrage aus internationalen Marken bleibt intakt und wird in den kommenden Quartalen eher zu- als abnehmen.
Branchenstruktur: Textil und Gastronomie führen
Bundesweit entfiel im ersten Quartal der größte Anteil des Flächenumsatzes auf den Textilhandel (28 Prozent / rund 28.700 m²). Aktiv waren unter anderem Jack & Jones, Primark und Lefties. Die zweitstärkste Branche war Gastronomie und Food mit 21 Prozent Anteil, getrieben unter anderem von Edeka, Goldies und 60 seconds to napoli.
Für Stuttgart bildet sich diese Struktur in der Praxis ebenfalls ab: Die Königstraße und ihre Seitenstraßen bleiben primär durch Mode, Accessoires und Lifestyle geprägt. Gastronomiekonzepte expandieren stärker in die Nebenlagen und in die Innenhöfe (Calwer Passage, Dorotheen Quartier, Milaneo-Umfeld), wo Flächenzuschnitte flexibler und die Mieten moderater sind.
Einordnung und Ausblick für den Stuttgarter Markt
Aus Sicht der Eigentümer von Einzelhandelsflächen in Stuttgart liefert das Quartal zwei klare Signale. Die Spitzenmieten in den 1A-Lagen sind gesichert – hier besteht kein Abwertungsdruck. Gleichzeitig werden Flächenzuschnitt, Schaufensterqualität und technische Ausstattung zunehmend zum differenzierenden Faktor. Wer heute eine Top-Lage anbietet, findet Mieter, muss aber mit einer längeren Auswahlphase rechnen.
Für B-Lagen bleibt der Anpassungsdruck bestehen. Die Konzentration der Nachfrage auf A-Lagen bedeutet im Umkehrschluss, dass Objekte in schwächeren Lagen entweder über Mietanpassungen, Konzeptwechsel (Gastronomie, Dienstleistung, Gesundheit) oder Nutzungsmix ihre Positionierung neu definieren müssen.
Für das zweite und dritte Quartal 2026 ist eine Stabilisierung des bundesweiten Mietniveaus absehbar. Alle zehn Top-Märkte dürften ihre aktuellen Spitzenmieten beibehalten. Für Stuttgart ist zudem ein anziehender Flächenumsatz realistisch, sobald die angekündigten Anmietungen internationaler Marken im Laufe des Jahres notariell vollzogen werden.
Fazit
Stuttgart kommt gut durchs erste Quartal 2026: Die Spitzenmiete hält, die Position im Städteranking bleibt stabil, und der Flächenumsatz-Rückgang ist im Vergleich zu anderen westdeutschen Metropolen moderat. Der Markt wird selektiver – das kommt Eigentümern von Top-Lagen zugute und erhöht den Handlungsdruck für B-Lagen-Objekte. Für Investoren bleibt Stuttgart damit ein Markt mit klarer Hierarchie und verlässlichen Spitzenmieten.










